Beziehungsweisen

Andreas Golinski
Franka Hörnschemeyer
Hans-Dirk Hotzel
Schirin Kretschmann

Eröffnung: 26. Mai 2019, ab 11 Uhr
Kurator: Denis Bury

-> Katalog

Vier ganz verschiedene Künstler treffen in dieser Ausstellung mit Ihren Untersuchungen im Raum aufeinander.

Franka Hörnschemeyer installiert übergroße oder raumgreifende Arbeiten. Die hier gezeigte Papierarbeit ist dem gegenüber in Volumen gerechnet geradezu schlank, ist aber als Basis späterer Werke zu sehen. Die architektonischen Grundrisse zeigen Variationen an Labyrinthen. Ziel dieser ist es, den Besucher den längsten Weg von einer Öffnung zur nächsten zu ermöglichen. Dabei haben die einzelnen Module meist zwei Türen, von denen nur eine geöffnet ist. Damit ergeben sich nicht nur ein, sondern sehr viele Wege durch das Labyrinth.

Nach dieser gedanklichen Öffnung der Ausstellung treten wir in die erste Beziehung zur nächsten Arbeit. Das ist eine von Schirin Kretschmann vor Ort erstellte Zeichnung. Fünf Rechtecke hat sie aus gemahlener Kreide auf den Boden gesiebt. Diese nehmen einen direkten Bezug auf die Fenster des Raumes. Den Lichteinfall hat sie durch die weiß pigmentierte Kreide symbolische Plätzen zugewiesen. Damit wird das Außen, der Hof vor dem Ausstellungsraum, in die Ausstellung einbezogen. Formale Ähnlichkeiten ergeben sich durch die Bodenbeschaffenheit, die den mit Lack behandelten Türen ähneln durch ihre über die Jahre erhaltenen Abnutzungen, Spuren, Fingerabdrücke.

Ob der Besucher nun an den Bodenzeichnungen vorbei geht oder über sie hinweg, sind Entscheidungen die individuell und ohne Wertung getroffen werden müssen oder unbewußt vollführt werden.

Der Weg führt vorbei an einer geradezu unscheinbaren Arbeit, die aber, einmal entdeckt, räum- und zeitgreifend erscheinen kann: Ein klassisches Ausstellungsschild von Hans-Dirk Hotzel beschreibt oder fordert auf zum Innehalten. Was nun genau damit gemeint ist, spielt sich nur in der Außeinandersetzung des Besuchers mit der Arbeit ab. Arbeit und Betrachter treten also in eine besondere Beziehung. Und ob dieser nun bewußt innehält, vor dem Schild, vor der Wand, in dem Raum, vor oder nach der Zeichnung Schirin Kretschmanns, ist in alle Richtungen denkbar.

Hans-Dirk Hotzel hat immer wieder – auch mit einem Schmunzeln – den Betrachter in seiner Wahrnehmung hinterfragt und herausgefordert. Ist dieses Schild nun letztlich eine Verhohnung des Kunstbetriebes oder eine Wertschätzung für diesen. Oder dem Moment, den der Betrachter ihm, beziehungsweise sich, schenkt?

Der Künstler stelle noch einmal alles in Frage, mit der darauf folgenden Videoarbeit, in der man zuerst parallel schwankende Ecken wahrnimmt. Bei längerer Betrachtung kann man einen um 45° gedrehten Ausschnitt eines Raumes erkennen, in dem dieser leicht hin und her bewegt wird. Damit kann man nun endgültig den Boden unter den Füßen verlieren und der ganze Raum kommt in Bewegung – der ganze Denk- und Wahrnehmungsraum.

Um den „Kosmos“ Hans-Dirk Hotzel etwas zu öffnen, konnte man neben dieser Videoarbeit noch neun weitere sehen, die alle um spezielle Blickwinkel kreisen.

Nach dem Kreisen führt der Weg zurück durch die Ausstellung und findet erst nach deren Ende, nämlich im Außenraum, eine letzte Herausforderung: am Ende eines Treppenabgangs stehen zwei fast körpergroße Ölbilder. Nur auf einfachen Klötzchen und an die Wand gelehnt und einer großen Ähnlichkeit zu dieser. Die Farbe der Wand blättert ab, sie hat deutliche Alterungsspuren. Die Bilder zeigen dunkle, anthrazite Flächen, teils ist ein grober Pinselstrich zu erkennen. Diese Bilder – nicht für die Ausstellung hergestellt, sondern folgerichtig vom Künstler aus seinen Arbeiten herausgesucht – gehen camouflageartig in die Wände ein. Öffnen sie aber auch. Fragen nach Oberflächen, Tiefen, nach Raum stellen sich und sind wiederum nur im eigenen Gedankencosmos zu beantworten.

So entlassen, kann der Besucher wieder den Weg durch die Umgebung des Ausstellungsraumes nach hause suchen und dabei ein Teil des Lichteinfalles, der Bodenzeichung Schirin Kretschmanns werden, die am Ende des Ausstellungszeitraumes in einer Performance durch die Besucher aufgewischt wurde.


Sie sind herzlich eingeladen zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, den 26.5.2019, ab 11 Uhr. Bis 18 Uhr freuen wir uns auf Ihren Besuch .

Weitere Besichtigungen und Führungen gern nach Anmeldung unter 0201 – 43 78 65 52 oder .

Am Sonntag, den 30.6.2019, schließen wir die Ausstellung mit einer performativen Aktion von Schirin Kretschmann und Publikum. Diese beginnt um 12 Uhr.

© Denis Bury | VG Bild-Kunst